Wie eine starke Unternehmenskultur Ihr Geschäft verbessert

Laut einer Schätzung des Marktforschungsunternehmens Gallup entsteht der deutschen Wirtschaft durch mangelnde Mitabeitermotivation jährlich ein Minus von 76 bis 99 Milliarden Euro. Was ist der Grund für demotivierte Mitarbeiter, die den Unternehmen einen erheblichen Verlust bescheren? Mehreren Studien zufolge spielt die Entlohnung nicht die entscheidendste Rolle bei der Motivation von Mitarbeitern. Viel wichtiger für Arbeitnehmer ist ein gutes Arbeitsklima und ein kollegiales Arbeitsverhältnis zum Chef und zu den Kollegen.

Lesezeit: 8 minutes

Publiziert: 04.11.2016

0 Kommentare

Eine motivierende, aktivierende und wertschätzende Unternehmenskultur lässt Menschen und Organisationen zu Höchstform auflaufen. Die Entwicklung solch einer Unternehmenskultur wirkt sich positiv auf Ihr Unternehmen aus. Erfahren Sie in diesem Fachartikel, worauf es dabei ankommt, was die zentralen Elemente sind und wie Sie diese in Ihrem Unternehmen entwickeln.

 

Die Idee hinter der Unternehmenskultur

Woran denken Sie, wenn es um Optimierungen in Ihrem Unternehmen geht? Die ersten Verbesserungsmaßnahmen sind häufig Einsparungsprogramme, neue Geschäftsstrategien, die Optimierung von Arbeitsprozessen oder leistungsstärkere IT-Systeme. Alle Maßnahmen erfüllen sicherlich einen Zweck. Ob sich damit auch grundlegende Einstellungen und Verhaltensweisen ändern, bleibt zu hinterfragen. Es ist jedoch festzuhalten, dass eine Optimierung von Prozessen, Systemen und Strukturen nicht zu einer Weiterentwicklung bezüglich der Zusammenarbeit beiträgt. Bei der Unternehmenskultur geht es aber genau darum. Die Entwicklung einer starken Kultur in einem Unternehmen trägt wesentlich zu einer Motivation der Mitarbeiter bei; dies geschieht vor allem in ihren Köpfen.

Sie sind Unternehmer und möchten von den besten Tipps von Experten profitieren?

Holen Sie sich jetzt das kostenlose E-Book:
Erfolgreiches Offline Marketing
!

Download

 

Die Bedeutung der Unternehmenskultur

In jeder Organisation gibt es eine Kultur. Diese kann sich auf die Privatwirtschaft, auf öffentliche und Non-Profit-Organisationen beziehen. Im Non-Profit-Bereich wird meist der Begriff “Organisationskultur” verwendet. In diesem Fachartikel soll es ausschließlich um die privatwirtschaftliche Unternehmenskultur gehen. Damit wird ein System gemeinsam geteilter Muster des Denkens, Fühlens und Handelns sowie die Grundgesamtheit gemeinsamer Werte, Normen und Einstellungen verstanden. Die Unternehmenskultur prägt die Entscheidungen, das Verhalten und die Handlungen der Mitglieder sowohl untereinander als auch nach außen. Die Art und Weise des Managements und die Beziehungen zu Kollegen sowie zu den Kunden und Lieferanten sind wichtige Elemente der Unternehmenskultur. Wöchentliche Treffen der Manager aus der mittleren Führungsebene und ihrer Angehöriger, Abendveranstaltungen und regelmäßige Treffen der Belegschaft tragen zu einer starken Unternehmenskultur bei. Dies wird häufig unter einem „guten Betriebsklima“ verstanden.

 

Beispiele für Unternehmenskultur

Eine starke unternehmensinterne Kultur zeigt sich in vielen Bereichen. Ein Zeugnis guter Qualität ist es, wenn Sie als Händler die B2B-Kunden auch nach dem Kauf mit der gleichen Aufmerksamkeit und Sorgfalt betreuen wie zuvor. In der Außendarstellung macht Ihr Unternehmen in diesem Fall einen guten Eindruck. Auch innerhalb des Unternehmens ist es besser, wenn alle Mitarbeiter spürbar auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Dies ist besser, als wenn jeder für sich alleine seine Aufgaben erledigt, ohne zu wissen, was diese zum Endergebnis beitragen. Es zeugt von einer starken Unternehmenskultur, wenn sich Kollegen gegenseitig unterstützen und sich regelmäßig spontane Hilfe anbieten. Eine starke Kultur bedeutet auch, dass nach Lösungen und nicht nach Schuldigen gesucht wird. Wenn das Vermeiden von Fehlern oberste Priorität hat, leidet darunter die Risikobereitschaft, die wichtig für das unternehmerische Handeln ist. Eine Unternehmenskultur ist wechselseitig und prägt das Verhalten ihrer Mitglieder. Kultur wird von den Mitarbeitern durch ihr Verhalten und ihre Gewohnheiten produziert, definiert und vermittelt. Mit anderen Worten: Jede Handlung eines Organisationsmitgliedes ist ihrerseits kulturell beeinflusst und beeinflusst ebenso wieder die Unternehmenskultur.

 

Elemente einer Unternehmenskultur

Die Kultur entwickelt sich durch das Tun und Handeln von Menschen. Sie bildet die Grundlage für das soziale Miteinander – in Gesellschaften sowie in Unternehmen, die in diesem Zusammenhang als kleine Gesellschaften angesehen werden können. Solch ein soziales System macht im Laufe seiner Geschichte bestimmte Erfahrungen. So können Sie beispielsweise ein Geschäft mit einem komplizierten Kunden gemacht haben, woraufhin die Erkenntnis wächst, kein weiteres Arbeitsverhältnis mit diesem Kunden zu pflegen. Daraus wachsen Grundannahmen, Überzeugungen und Gewohnheiten, die das Verhalten prägen. Diese entstehen nicht zufällig, sondern haben tiefere Ursachen wie

  • Annahmen,
  • Einstellungen,
  • Überzeugungen,
  • gelebte Werte,
  • oder bestimmtes ein Menschenbild.

Diese typischen Verhaltensweisen bilden die Kernelemente einer Unternehmenskultur. Sie bestimmen, welche Bewertungen, Gefühle und Reaktionen in ein Unternehmen hinein wirken. Das hat einerseits Auswirkungen auf die inneren Strukturen eines Unternehmens und wie es sich „anfühlt“ dort zu arbeiten. Andererseits beeinflusst die Verhaltensweise, wie das Unternehmen von außen, beispielsweise von Kunden, wahrgenommen wird.

Eine gemeinsame Vision und ein Leitbild tragen zu einer Weiterentwicklung der Unternehmenskultur bei. Unter anderem durch die zuvor genannten Elemente ergibt sich die Corporate Identity. Ziel der Unternehmensführung ist es, dadurch einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Außerdem ist die Unternehmenskultur für die Mitarbeitergewinnung und -bindung von Bedeutung. Der Ruf eines guten Betriebsklimas ist für Bewerber ein wichtiges Kriterium. Unternehmen können mit einer starken Unternehmenskultur werben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestimmter Firmen verkörpern ein bestimmtes Verhalten, das auch von außen wahrgenommen wird. Kleine IT-Firmen oder Startups zeichnen sich etwa durch eine hierarchielose Kommunikation, eine freie Ausstattung ihrer Arbeitsplätze und einem betont lockeren Auftreten aus. Bei einer stärkeren Identifikation mit der Unternehmenskultur sind die Mitarbeiter motivierter. Dies trägt zu einem besseren Betriebsklima bei.

Unternehmenskultur: Lockerer Umgang

Der betont lockere Umgang in Startups trägt zu einer stärkeren Identifikation mit der Unternehmenskultur bei.

 

Der Umgang mit Fehlern, Verbesserungsvorschlägen und Themen wie Einkommen oder Kündigung sowie die Kritikfähigkeit spiegeln ebenfalls die Unternehmenskultur wider. Es ist die Aufgabe der Führungsebene, klare Ziele und Visionen zu definieren und diese klar zu kommunizieren. Mit Ihrem eigenen Verhalten geben Sie ein gutes Beispiel für einen Umgang miteinander im Unternehmen ab.

 

Unternehmenskultur entwickeln oder verbessern

Die Entwicklung einer Unternehmenskultur kann sich auf fünf Ebenen vollziehen: historisch, emotional, interaktiv, kollektiv und implizit:

  • historisch: Der Prozess der Sozialisation erfolgt in mehreren Jahren. Die Unternehmenskultur entwickelt sich historisch aus den gewonnenen Erfahrungen. Aus den Erkenntnissen der Vergangenheit wird das zukünftige Handeln abgeleitet.
  • emotional: Aus den gesellschaftlich verbindlichen Werten und Normen resultieren einerseits erwartetes Verhalten und andererseits automatisch Emotionen. Je nach Beachtung oder Abweichung von den gesellschaftlichen Ansichten können diese negativ oder positiv ausfallen.
  • interaktiv: Als Ergebnis der verbalen und nonverbalen Kommunikation zwischen den Mitarbeitern der Organisation entstehen gegenseitige Anforderungen.
  • kollektiv: Die Unternehmenskultur entwickelt sich dadurch, dass sowohl die expliziten als auch impliziten Regelungen, Strukturen und Prozesse von allen Mitarbeitern akzeptiert werden.
  • implizit: Um eine Unternehmenskultur zu etablieren, müssen die existierenden Annahmen und Gewohnheiten in der Organisation von den Mitarbeitern so verinnerlicht werden, dass diese zu Regeln im Arbeitsprozess werden.

Die Entwicklung oder die Änderung einer Unternehmenskultur benötigt Zeit. Die Änderung eines Verhaltens innerhalb Ihres Unternehmens ist permanent zu betreiben. Es reicht nicht aus, ein neues Leitbild zu verabschieden und in der Mitarbeiterzeitung und in Broschüren für Ihre B2B-Kunden darauf hinzuweisen. Entwickeln Sie vielmehr neue Denk- und Handlungsmuster und bauen Sie diese systematisch auf. Am ehesten sind Verhaltensänderungen durch Feedbackschleifen mit Berurteilungskriterien zu erzielen. Vergessen Sie jedoch nicht, einen Wandel der Unternehmenskultur klar zu kommunizieren. Ohne einen Einbezug der Mitarbeiter und ein Verständnis für die Entwicklung einer neuen unternehmensinternen Kultur müssen Sie mit Widerstand rechnen. Eine besondere Herausforderung stellt die Veränderung einer Unternehmenskultur dar. Dies ist mitunter nötig, wenn Sie mit einem anderen Unternehmen fusionieren oder eine neue Martkausrichtung anstreben.

Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter bei der Entwicklung einer neuen unternehmensinternen Kultur mit ein.

 

Einflussfaktoren für die Unternehmenskultur

Eine Unternehmenskultur lässt sich nicht erzwingen oder erlernen. Sie wird durch den täglichen Umgang miteinander und die Arbeitsweise gebildet. Wie bereits erwähnt, hat etwa die Geschichte eines Unternehmens Einfluss auf die Kultur. Doch es gibt noch weitere Einflussfaktoren. Unternehmen sind nämlich in viele Kontexte eingebunden. Es gibt verschiedene externe Faktoren, welche die Unternehmenskultur beeinflussen. So wirken wirtschaftliche, soziale und politische Einflussfaktoren auf die Unternehmenskultur.

  • Demografischer Wandel: Die Gesellschaft altert und unser Sozialsystem wird daran angepasst. Das Renteneintrittsalter erhöht sich und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unternehmen werden immer älter. Eine entsprechende Gesundheitsvorsorge gehört deswegen zu einer starken Unternehmenskultur dazu.
  • Wertewandel: Mehr Menschen achten auf eine Work-Life-Balance. Unternehmen reagieren darauf beispielsweise mit flexibleren Arbeitszeiten. Auf die Unternehmenskultur hat dies insofern einen Einfluss, indem verschiedene Vorstellungen an die Arbeit aufeinander abgestimmt werden müssen.
  • Gleichstellung der Frauen: Es gibt die Quotenregelung für weibliche Vorstände in Deutschland und Elternzeiten für beide Elternteile. Dies wirkt sich auch auf die Unternehmenskultur aus, indem das Unternehmen als modern, offen und familienfreundlich wahrgenommen werden kann.
  • Globalisierung und Internationalisierung: Die weltweiten, wirtschaftlichen Verflechtungen verstärken sich und das Tempo der Veränderungen in sozialen, privaten und kulturellen Bereichen hat deutlich zugenommen. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, braucht Ihr Unternehmen eine klare Identität.
  • Leistungsgesellschaft: In Unternehmen gilt häufig ein hoher Leistungsdruck und es wird mehr Leistung in kürzerer Zeit verlangt. Auf die Gesundheit der Mitarbeiter hat dies mitunter verheerende Folgen. Eine harmonisierende Unternehmenskultur kann dem entgegenwirken.

Diese und weitere Einflussfaktoren können sich auf das Unternehmen und die Unternehmenskultur auswirken. Es ist die Aufgabe der Unternehmensführung, den Einflussfaktoren mit der Einführung von Regelungen und Strategien zu begegnen. Das Verhalten und die Denkweise kann dadurch beeinflusst werden und somit kann eine Etablierung neuer Strukturen und Prozesse zur Entwicklung einer neuen Unternehmenskultur beitragen.

 

Fazit

Eine Unternehmenskultur entwickelt sich nicht von alleine, sondern wird von externen Einflussfaktoren und unternehmensinternen Vereinbarungen geprägt. Vor allem ist damit aber ein Prozess verbunden, der eine längere Zeit in Anspruch nimmt. Die Unternehmenskultur muss verinnerlicht und das Handeln danach zur Gewohnheit werden.

Diesen Artikel bewerten:

1

Bewertung

[ssba]

Autor

Birgit Weber
Birgit Weber

Birgit Weber ist als Redakteurin im B2B Manager tätig. Sie trainiert und berät seit mehr als zehn Jahren Unternehmen hinsichtlich ihrer Marketing- und Vertriebsstrategien und zählt zu den geschätzten Sprecherinnen auf B2B-Messen. Neben ihrer Autorentätigkeit ist Birgit Weber Leiterin eines Institutes für Rhetorik, Persönlichkeitsentwicklung und Zukunftsplanung.

Weitere Kommentare einblenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Meistgelesene Artikel...